Beim jüngsten 4-Ländertreffen der Vorsitzenden der deutschsprachigen Bahngewerkschaften aus Deutschland (EVG), der Schweiz (SEV), Österreich (vida) und Luxemburg (OGBL-FNCTTFEL/Landesverband) wurde dies durch eindeutige Statistiken bestätigt.
Die Mitarbeiter:innen im Transportsektor sehen sich immer häufiger mit Beleidigungen, Bedrohungen und sogar körperlichen Angriffen konfrontiert. Diese Entwicklung ist nicht nur völlig inakzeptabel, sie gefährdet auch die Stabilität und Funktionsfähigkeit des öffentlichen Verkehrs eines Systems, auf das unsere Gesellschaft täglich angewiesen ist.
Besonders betroffen sind Zugbegleiter: innen, Lokführer:innen, Busfahrer:innen und das Personal an Bahnhöfen. Die Belastung für die Beschäftigten nimmt stetig zu. Sie sind die ersten Ansprechpersonen im täglichen Betrieb und damit auch diejenigen, die am häufigsten mit frustrierten oder aggressiven Fahrgästen in Kontakt kommen.
Die Ursachen für diese Übergriffe sind vielfältig. Dazu gehört unter anderem, dass viele Fahrgäste unter Stress oder Überforderung leiden. Auch Verspätungen oder technische Probleme können zu angespannten Situationen führen. Hinzu kommen Fälle, in denen Alkohol- oder Drogenkonsum das Verhalten einzelner Personen enthemmt. Ein weiterer zentraler Faktor ist der mangelnde Respekt gegenüber Beschäftigten im öffentlichen Dienst.
Die Folgen für das Personal sind gravierend. Viele Betroffene leiden unter Angstgefühlen und erheblichem psychischem Stress. Dies führt nicht selten zu Krankmeldungen – und im schlimmsten Fall zu Suiziden.
Der tödliche Vorfall in Deutschland als Weckruf
Der tödliche Angriff vom 2. Februar 2026 auf einen 36-jährigen Zugbegleiter, Serkan Ç., hat uns alle zutiefst erschüttert. Während einer Fahrkartenkontrolle in einem Regionalexpress bei Landstuhl (Rheinland‑Pfalz) wurde Serkan von einem Fahrgast massiv attackiert. Schwer am Kopf verletzt, erlag er etwas später im Krankenhaus seinen Verletzungen.
Er hinterlässt zwei kleine Kinder, die jetzt ohne den Vater aufwachsen müssen.
Dieser tragische Vorfall führt uns auf schmerzhafte Weise vor Augen, wie dringend notwendig es ist, die Sicherheit der Beschäftigten endlich konsequent in den Mittelpunkt zu stellen.
Ein weiterer Vorfall ereignete sich am 10. März 2026 in der Gemeinde Kerzers im Kanton Freiburg in der Schweiz, bei dem ein Post-Bus in Brand geriet. Sechs Menschen verloren dabei ihr Leben, mehrere weitere wurden verletzt. Ein psychisch instabiler Mann soll sich im Bus selbst angezündet und damit das Feuer ausgelöst haben.
Auch dieses erschütternde und schockierende Ereignis wirft erneut Fragen zur Sicherheit im öffentlichen Verkehr auf.
Beim 4-Ländertreffen der Vorsitzenden der deutschsprachigen Bahngewerkschaften wurde eins unmissverständlich klar:
„Niemand soll seine Arbeit in der ständigen Angst vor dem nächsten Angriff verrichten müssen. Sicherheit ist kein Wunsch, sie ist ein grundlegendes Recht!“
Unsere Forderung ist eindeutig:
Es braucht einen konsequenten, wirksamen Schutz für alle Beschäftigten im öffentlichen Dienst!
Um die Sicherheit zu verbessern, fordern wir eine Reihe von Maßnahmen, die schnell und nachhaltig umgesetzt werden müssen:
- Verbindliche Sicherheitskonzepte für alle Betriebe im öffentlichen Transport
- Mehr Personal in Zügen und an Bahnhöfen, einschließlich Doppelbesetzung
- Bodycams als Abschreckung und zur Dokumentation
- Gezielte Schulungen für den Umgang mit schwierigen oder gefährlichen Situationen
- Strafverschärfungen bei Angriffen auf Beschäftigte im öffentlichen Dienst
- Eine klare gesellschaftliche Haltung, die Respekt und Zusammenhalt in den Mittelpunkt stellt
Diese Maßnahmen sind nicht nur Forderungen, sondern eine Notwendigkeit, um die Beschäftigten zu schützen und den reibungslosen Betrieb des öffentlichen Verkehrs sicherzustellen.
Respekt als Grundlage für einen funktionierenden Transport
Aggressionen im öffentlichen Transport sind nicht nur ein Problem für die Beschäftigten, sie untergraben auch das Vertrauen und die Qualität des gesamten Systems. Nur wenn sich die Mitarbeiter:innen sicher fühlen, können sie ihre Arbeit mit Professionalität und Engagement ausüben.
Das Syndikat Eisenbahnen FNCTTFEL/Landesverband startet angesichts der zunehmenden Gewalt im öffentlichen Nahverkehr eine Sensibilisierungskampagne unter dem Motto „Stopp d’Gewalt géint d’Personal“. Ziel ist es, den Respekt gegenüber Mitarbeitender:innen einzufordern und ein deutliches Zeichen gegen Übergriffe zu setzen.
Diese Aktion soll mit dem Verteilen von Buttons noch unterstrichen werden.
Die Lage ist ernst: 284 Übergriffe auf CFL-Mitarbeiter:innen im Jahr 2025 zeigen eine alarmierende Entwicklung. Die Vorfälle reichen von Beleidigungen und Drohungen, bis zu körperlicher Gewalt. Auch die Regierung bestätigt den Rückgang des Respekts gegenüber dem Personal, reagiert jedoch aus Sicht der Gewerkschaft nicht ausreichend.
Bestehende Maßnahmen wie Schulungen oder Sicherheitsprotokolle werden anerkannt, gelten aber als unzureichend. Das Syndikat Eisenbahnen FNCTTFEL/Landesverband fordert daher die zuständigen Ministerien auf, politische Verantwortung zu übernehmen und konkrete Schritte einzuleiten, darunter mehr Sicherheitspräsenz, strengere Sanktionen und eine klare Null-Toleranz-Politik gegenüber Gewalt.
Deshalb ist es entscheidend, dass Politik, Unternehmen und Gesellschaft gemeinsam handeln, um eine klare Botschaft zu senden: Gewalt hat im öffentlichen Transport keinen Platz. Respekt und Sicherheit sind nicht verhandelbar.
Georges Melchers
Präsident Syndikat Eisenbahnen
OGBL/FNCTTFEL-Landesverband