In Ihrer Pressemitteilung vom 01. August 2022 erklärt die Post, dass die Erhöhung notwendig wäre, um den Fortbestand und die Qualität des Universaldienstes vor dem Hintergrund eines kontinuierlichen strukturellen Rückgangs der Postvolumen und steigender Kosten, insbesondere für Arbeit, Infrastruktur und Transport zu gewährleisten und um weiterhin innovativ zu sein und um sich an die Gepflogenheiten und Bedürfnisse Ihrer Kunden anzupassen. Des Weiteren wird angemerkt, dass die Posttarife auch nach der Anpassung weiterhin unter dem Durchschnitt der in Europa angewandten Tarife liegen. So würde in den Nachbarländern die vergleichbaren Tarife für eine nationale Prioritätssendung bis 50 Gramm derzeit bei 1,00 EUR in Deutschland, 1,89 EUR in Belgien und 2,86 EUR in Frankreich liegen.
Dabei wäre zu beachten, dass die Gewichtsklassen je nach Land unterschiedlich sind. Gemeinnützige Vereine und Stiftungen würden auch weiterhin in den Genuss vom ermäßigten Porto „ATR“ kommen.

Was der Kunde sich unter „innovativ“ genau vorzustellen hat und was nun die Gepflogenheiten und Bedürfnisse der Kunden wirklich sind, wurde leider nicht in der Pressemittlung beschrieben. Der Vergleich der Tarife mit den Nachbarländern ist ein schwieriges Unterfangen, denn so gibt es in Frankreich und Deutschland Tarife für Briefe bis zu 20 Gramm, Tarif, der im September 2012 in Luxemburg abgeschafft worden ist, wo doch das Gewicht von vielen Briefen weit unter 20 Gramm liegt. Verzichtet man bei einem Vergleich mit dem Ausland aber auf die Prioritätssendung, so liegen die Tarife für einen 20 Gramm Brief derzeit bei 0,85 EUR in Deutschland, 1,19 EUR in Belgien und 1,16 EUR in Frankreich. Somit sind die Unterschiede im Vergleich zum Ausland dann weit weniger groß, wie in der Pressemitteilung angegeben. Rechnet man z.B. die Mehrkosten für einen gemeinnützigen Verein für einen Sammelversand von 5.000 Briefen, so belaufen sich diese ab dem 1. September auf 500 EUR, was für einen Verein eine nicht unerheblich Summe darstellt.

In einer Zeit der Krise, wo die Inflation so hoch ist wie in den letzten 40 Jahren nicht mehr, hätte man von der Luxemburger Post, welches ja ein öffentliches Unternehmen ist und welches 2021 immerhin einen Nettogewinn von 28,7 Millionen Euro verbuchen konnte, mehr Fingerspitzengefühl verlangen können bei der Erhöhung der Preise für eine Dienstleistung für welche das Unternehmen aktuell einen Rahmenvertrag mit dem ILR (Institut Luxembourgeois de Régulation) hat, der noch bis 2029 gültig ist.

Josy BOURGGRAFF